Aktuelles


Aktuelle Publikationen | Veranstaltungen


Johanna Dahm:
Der Blick des Hermaphroditen.
Carl Einstein und die Kunst des 20. Jahrhunderts.
Würzburg: Königshausen & Neumann, 2003
234 S.
36,- Euro

Die Lektüre Carl Einsteins bedeutet die Moderne von ihrem Kern aus zu beleuchten. Als Künstler und Kritiker präsentiert er die Moderne-Parameter, die sich im Geschichtsbild der Verheißung, der Utopie, dem krisenhaften Selbstverständnis des Fragmentarischen äußern.
Einsteins Werk ist in seinem Projektionscharakter um eine semiotische Ebene reicher, als sie in der Reflexion über das Andere die eigene Modernität spiegelt: Die vor allem an der Bildkunst orientierte Kritik des Kunstbegriffes der Moderne fällt im Akt des zeigenden Rekurses auf andere Künstler, die wie Picasso oder Klee unser Moderne-Verständnis prägen, auf das eigene Schreiben zurück. Das Œuvre Einsteins kann so nicht über einen Repräsentationsbegriff eingeholt werden, vielmehr ist das Schreiben Einsteins selbst Moderne.
Das kunstkritische Schriftwerk Carl Einsteins ist genuines Zeugnis einer in ihrem Wissenschaftspotential noch unzureichend beleuchteten Autorschaft, Quelle eines die Gegenwart entscheidend prägenden Künstlertums und zuvorderst authentische Bestimmung der Wesenhaftigkeit der Moderne.
Der Hermaphrodit fungiert aufgrund seiner Absolutheit als idealer Betrachter, dem sich aufgrund des "Simultané der Seelenschichten" die Kunst in ihrer Totalität erst erschließt.